Der perfekte Wein zum perfekten Dessert

Wahre Genießer wissen: Ebenso wichtig wie der Geschmack des Desserts ist die passende Getränkewahl. Bei den Hauptspeisen kennt fast jedermann die gängigen Regeln hinsichtlich Weinbegleitung. Doch wie schaut es eigentlich bei Süßspeisen aus?

Genau zu diesem Thema haben wir den Experten befragt: Markus Baumann ist Geschäftsführer des Onlineshops www.weintipps.at. Seit fast 25 Jahren ist der erfahrene Weinliebhaber auf der Suche nach guten und preiswerten Weinen aus ganz Österreich. Die Philosophie seines Weinhandels, den er gemeinsam mit Markus Resch betreibt, lautet deshalb auch „Gute Tropfen um wenig Geld“.

Was macht einen guten Tropfen aus?
Perfekte Balance von Frucht, Säure, Extrakt, Alkohol und bei Rotweinen zusätzlich noch Tannin (Gerbsäure).

Wie findet man einen Winzer, der gute Tropfen für wenig Geld anbietet?
Ist zeitaufwendig macht aber Spaß… bei Verkostungen, bei Weinreisen, Lektüre von Fachmedien, bei Gesprächen mit Weinfreunden, bei Weinmessen, im Internet. Man muss ganz einfach mit offenen Augen, Ohren und vor allem Gaumen durch die Weinwelt gehen und auch zahlreiche Blindverkostungen durchführen.
Vor allem soll man sich auch nicht von Namen blenden lassen, sondern seinem eigenen Gespür, Geschmack und Urteil vertrauen.

Worauf muss man beim klassischen Dessertwein achten? Wie verkostet man ihn richtig?
Hier ist der Restzucker-Gehalt ganz entscheidend und auch das Verhältnis zur Säure. Erst durch etwas Säure wird der Dessertwein interessant und verspielt und wirkt dadurch nicht picksüß.
Verkostet wird er wie alle Weine: im richtigen Glas (eher kleines Glas), zuerst begutachtet man die Farbe, dann schwenkt man das Glas, riecht daran, nimmt einen Schluck, lässt ihn über die Zunge gleiten und genießt die Aromenkomplexität.

Welchen Wein empfehlen Sie zur Mehlspeise (zB Kuchen- oder Tortenstück)?
Hier gibt es eine einfache Regel: je süßer die Mehlspeise, desto süßer soll auch der Wein sein. Mehlspeise und Wein sollen puncto Süße auf einem ähnlichen Level liegen.
Interessant ist auch, dass die Restsüße vom Wein und die Süße der Mehlspeise sehr harmonieren und einander sogar leicht verringern.
Zu Obst, Kompott, Eis, Schlagobers, Gebäck oder Biskuits wählt man am besten leicht süßen, frischen und traubigen Frizzante, zB vom Muskateller.

Haben Sie eine Weinempfehlung zu süßen Hauptspeisen wie z.B. Frucht- oder Germknödel?
Wie gesagt ist der Süßegrad des Desserts wichtig. Auch die Farbe kann berücksichtigt werden. Fruchtknödel sind mittelsüß, daher sollen diese auch ein mittelsüßer Wein begleiten. Bei Marillenknödel zB ein Wachauer Riesling Smaragd mit leichter Restsüße. Das typische Steinobst-Aroma passt hier zusätzlich perfekt. Zu Erdbeerknödel passt auch ein dezent süßer Roséwein oder wer es etwas frischer und spritziger mag, greift zum Rosé Frizzante mit leichter Restsüße.

Welcher Wein eignet sich gut für eine sommerliche Bowle?
Für die Bowle empfehle ich einen leichten, frischen, fruchtigen, duftigen und spritzigen Weißwein, etwa einen Welschriesling oder Muskateller aus der Südsteiermark, einen Grünen Veltliner aus dem Weinviertel oder auch einen Frizzante – am besten weiß oder rosé.

Welcher Wein passt gut zu Schokolade?
Da in Barrique ausgebaute Rotweine oft  Schoko/Kakao-Aromen haben, harmonieren genau solche Weine gut mit Schokolade. Mein persönlicher Favorit ist St. Laurent mit dezentem Barrique-Ton.

Spannend hier ist, dass sich Bitterstoffe von der Schokolade und Süße vom Wein ausgleichen und die beiden daher gut harmonieren. Die Schokolade kann daher leicht bitter sein und der Rotwein leicht süß. Herbe Tannine soll der Rotwein aber nicht haben.

Welchen Wein würden Sie zum Verfeinern von Desserts wie zum Beispiel einem besoffenen Kapuziner verwenden?
Idealerweise den, den man dazu trinkt, ähnlich wie bei der Wildsauce und Rotwein. Der Wein dazu sollte nicht allzu süß sein, da dieses Dessert auch nicht übertreiben süß ist. Eine Spätlese kann ich empfehlen, idealweise vom Traminer. Diese ist besonders aromatisch, ist nur leicht süß und verfügt im Idealfall auch über etwas Säure.

Gibt es eine Faustregel, mit der ich mir merken kann, ob ich zu meinem Dessert besser Rot-, Weiß- oder Rosewein wähle?
Neben dem wichtigsten Kriterium, dem passenden Süße-Verhältnis von Wein und Mehlspeise, soll wie immer beim Wein auch auf die Farbharmonie geachtet werden. Zu Marillenknödel passt besser ein weißer Süßwein, zu Erdbeerknödel harmoniert gut Roséwein und zum Zwetschkenfleck oder zu Pofesen kann es durchaus auch roter Süßwein sein, zB eine Zweigelt Trockenbeerenauslese.

Haben Sie sonst noch einen Rat für Mehlspeistiger, die auch einen guten Tropfen zu schätzen wissen?
Ganz einfach ausprobieren! Süßwein ist bei sehr süßen Mehlspeisen eine echte Alternative zum Kaffe. Und er hat auch den Vorteil, dass er geöffnet im Kühlschrank noch wochenlang frisch bleibt.
Auslesen, Beerenauslesen und Eisweine sind spannende und preiswerte Alternativen zu den meist sehr teuren Trockenbeerenauslesen.

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