Wie die Helene zur Birne kam

Rezeptklassiker und ihre Geschichte

Birne Helene

Wie die Helene zur Birne kam Cover

Der britische Autor James Winter ist nicht nur mit seiner BBC-Reihe „Saturday Kitchen“ der Kulinarik auf der Spur. In der Show sucht er mit dem Küchenchef James Martin neue Kochtalente. Auch neben dieser Tätigkeit arbeitet er oft mit Küchenchefs, Feinschmeckern und Kulinarik-Journalisten zusammen. Vor allem aber reist er gerne umher und probiert allerlei Neues aus der Welt des Essens. Für das Buch „Wie die Helene zur Birne kam“ machte er sich auf die Suche nach Geschichten hinter den Rezeptklassikern. Fünfzig an der Zahl hat er zusammengefasst und präsentiert neben vielen pikanten Gerichten wie Waldorfsalat und Eggs Benedict auch traditionelle Mehlspeisen und Cocktailklassiker aus aller Welt.

Von der Bühne auf den Teller

Die Namensgeberin des Dessertklassikers Birne Helene ist keinesfalls eine Unbekannte, sondern ist die Titelheldin von Jacques Offenbachs Operette „La Belle Hélène“ (Die schöne Helena). Das bunte Treiben der griechischen Götterwelt und die Eifersuchtsszenen rund um Paris, Helena und den König Menelaos, die schließlich den Trojanischen Krieg auslösten, war ein mitreißendes Bühnenereignis für das Publikum. Für die Pariser Premiere des Stücks im Dezember 1864 soll der Küchenchef Auguste Escoffier, der sich mit „Pfirsich Melba“ und anderen Rezepten einen Namen gemacht hat, das Dessert aus gekochter Birne, Vanilleeis und heißer Schokolade kreiert haben. Doch diese Entstehungsgeschichte muss eine Legende sein, denn Escoffier war zu dieser Zeit erst 18 Jahre alt und noch in Nizza. Allerdings nahm er das Dessert später in etwas veränderter Form in seinem Kochkunstführer auf.

Ein besonderes Teegebäck

Garibaldi Biscuits oder „Fliegen-Keks“, wie sie durch ihr Aussehen auch gerne genannt werden, verdanken ihren Namen dem bekannten italienischen Revolutionär Giuseppe Garibaldi, obwohl sie in England entstanden sind. Die Keksfabrik Peek, Frean and Co. suchte mit ihrem Partner John Carr 1861 nach einer Möglichkeit, die Süße und Konsistenz von Keksen zu verbessern, ohne Zucker hinzuzufügen. Die Lösung waren getrocknete Rosinen, mit denen sie süße, flache Kekse backen, die auch problemlos in alle Welt verschifft werden konnten.

Als der italienische Feldherr Giuseppe Garibaldi das geteilte Italien durch seine strategischen Schlachten einigen konnte, stand das britische Volk fest auf seiner Seite und jubelte ihm zu. Auch die Keksfabrik unterstützte Garibaldi und benannte sogleich ihren neuen Keks nach ihm. Für die Garibaldi-Kekse sollte man sich genügend Zeit nehmen - sowohl zum Backen als auch zum Genießen, am besten bei einer guten Tasse Tee.

Zarte Teigmuscheln

Madeleines sind besonders feines Gebäck. Mit viel Fingerspitzengefühl wird der helle Biskuitteig an den Rändern durch den feinkörnigen Rohrzucker knusprig braun. Am besten genießt man die kleine Bäckerei frisch aus dem Ofen.

Noch warm wurden sie auch dem Konditormeister Jean Avice aus den Händen gerissen, ehe er die muschelförmigen Backwerke kunstvoll in seinem Schaufenster zeigen konnte. Auch der berühmte Chefkoch Marie-Antoine Carême war für die Madeleines bekannt. Allerdings wird der Mehlspeise auch nachgesagt, ursprünglich am polnischen Königshof entstanden zu sein. Dort war eine Konditormeisterin Madeleine Paulmier beschäftigt und die Heirat der polnischen Königstochter Marie mit dem französischen König Ludwig XV brachte das Gebäck nach Frankreich. Doch, ganz egal woher die Madeleines nun wirklich stammen, das muschelförmige Biskuitgebäck ist heute noch ein beliebtes Naschwerk zum Kaffee oder Tee.

Das Buch „Wie die Helene zur Birne kam“ von James Winter ist erschienen bei Callwey, Foto: Isobel Wield

Rezepte aus „Wie die Helene zur Birne kam“:

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